Ein Stück Rennsportgeschichte
Brief von Eckhard Schimpf
Stellvertretend für die vielen lieben Glückwünsche zum 70. Geburtstag hier der Brief von E. Schimpf:
Mein lieber Kurt,
ich sehe uns noch in der Broitzemerstraße um die Cooper rumwieseln, während Vater Hätzel die Getriebeübersetztung wechselte: In der Garage, wo immer die Rennwagen standen, gleich neben der Treppe, die in Eure Wohnung führte! Ich sehe uns noch im weißen Alfa-Spider, ich sehe uns in Hockenheim, Spa und am “Ring”. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist das her. Und nun wirst auch Du schon 70! Kaum zu glauben.
Ich möchte Dir ganz herzlich gratulieren. Ich hoffe, Du hattest einen wunderschönen, anregenden Tag in Hockenheim. Und ich hoffe außerdem, dass Du auch weiterhin fit bleibst. Aber: Wir beide – ich bin ja zwei Jahre älter – sind nun mal in einem Alter, in dem man Maß halten muss! Ich weiß das aus eigener Erfahrung! Man darf sich nicht zu viele Termine aufhalsen. Anregender Stress, aber dann auch wieder ein lässiges Auspendeln und viel Bewegung (Sport, zum Beispiel Radfahren) – das empfiehlt Dir dein langjähriger Weggefährte.
Lieber Kurt, ich sage dies öfter und nur selten bist Du ja dann dabei: Ich verdanke den beiden Ahrens viel. Sehr viel. Ohne Euch, ohne deinen Vater und ohne Dich , hätte ich kaum in der Motorsportszene Fuß fassen können. Das ist einfach so. Nun war ich ja nie ein großer Rennfahrer wie Du, aber ein engagierter und ein begeisterter schon. Vor allem in den Jägermeister-Jahren konnte ich mich ja doch einigermaßen auf schnelle Geräte “einschießen”. Wenn ich das jetzt hier schreibe, dann nicht , um mir selbst einen Orden anzustecken. Nein. Aber ich habe in diesen zehn Jahren, wo ich intensiv Rennen fuhr, genau erkennen und lernen können, wie schwer es ist, ein Weltklasserennfahrer zu werden oder zu sein. Und nun kommt die Überleitung zu Dir: Ich habe erst da richtig einschätzen können, ein welch hervorragender Rennfahrer Du gewesen bist!
Das ist Deine Lebensleistung! Und das ist nicht wenig! Es gibt nicht viele deutsche Rennfahrer, die absolutes internationales Niveau erreichten. Aber Du warst einer davon. Das ist schon was! Und wenn Dich nicht Dein Vater (aus einer gewissen Eifersucht?) gegängelt hätte, wenn Dich nicht auch Reni zeitweise etwas gebremst hätte, und wenn Du vielleicht eine Art Coach oder einen Top-Berater gehabt hättest, dann wärst Du ein noch erfolgreicherer Rennfahrer geworden. Sogar ein Spitzen-Formel-1-Fahrer. Aber: Du hättest genauso gut tot sein können – das war ja damals Normalität. Ich bin sicher, Du wußtest genau um das Risiko. Du konntest sehr gut auf der 97- bis 99 Prozent-Latte balancieren! Auch deshalb hast Du ja so gut wie niemals Unfälle gehabt und warst trotzdem so schnell. Irre schnell, wenn man bedenkt, wie wenig Du getestet und trainiert hast. Wie schlecht Du eigentlich vorbereitet warst!! Das spricht für Dein überragendes Talent . Du warst ein ganz großer Racer. Vor dieser Leistung verneige ich mich. Und das möchte ich zu Deinem “70.” noch mal ausdrücklich betonen.
Beste Grüße – natürlich auch an Reni -
Dein alter Weggefährte Ecki
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von admin am 10. Juni 2010 um 19:50 veröffentlicht und unter Allgemein abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Du kannst eine Antwort schreiben oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen. |